Sonntag, 30. Dezember 2012
Weihnachten im Freien
Da waren wir, am Heilig Abend, der unter den Kiwis noch ein ganz normaler Tag ist, mitten im Nichts. Genauer gesagt 80Km nordwestlich von Napier im sogenannten Kaweka Forest. Es gab ein Plumsklo, BBQ Stellen, Tische und eine heiße Quelle, dessen Wasser in einzelne Pools am Hang des Berges floss. Nun waren wir zum ersten Mal die einzigen Deutschen, was endlich Gelegenheit gab so richtig unser Englisch zu verbessern.
Der 25. Dezember verlief sehr entspannt und all das Essen ließ auch den Kater schnell wieder vergehen. Zwar mussten wir erst ein Feuer machen um die BBQ Stellen zu benutzen, doch als wir den Teig für die Pfannkuchen gerade zubereitet hatten, kam auch schon Neil mit genug Feuerholz für den ganzen Tag um die Ecke gefahren.
Nun konnte das große Fressen beginnen: Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade zum Frühstück, danach Riesengarnelen in einer Soße aus Kokosnussmilch, Erdnussbutter, Knoblauch und Limette auf Reis zum Mittag. Es folgte ein Nachmittagssnack mit Crackern und 5 verschiedenen Dips. Nach einem kleinen Abenteuer in der Flussströumg kam dann das Abendessen, was hauptsächlich natürlich aus Lammfleisch bestand: Würstchen, Burger, Steak, Gemüse... eben all die Dinge, auf die wir so lange verzichtet haben.
Unter den gegebenen Umständen hätte das Essen nicht besser sein können und das haben wir besonders Neil's professionellen Kochkünsten zu verdanken!
Natürlich gehört zu so einem Weihnachtsfest auch das ein oder andere Schlückchen und so hatten wir Gelegenheit deutsche und englische Trinkspiele auszutauschen. Der Boxing Day (der 26., der übrigens nichts mit dem Sport Boxen zu tun hat) verlief ähnlich: Reste essen, in den Fluss stürzen und die Weiterreise planen und so war es leider auch Zeit, dass wir uns vorläufig von Neil trennen mussten. Doch wenigstens konnte es nun weiter gehen und zwar in das Herz der Nordinsel, dem Lake Taupo, einem alten Vulkankrater, in dem sich ein riesiger See gebildet hat, doch was wir dort erlebt haben und wie das Fest ins neue Jahr war, erfahrt ihr beim nächsten Mal!
Freitag, 28. Dezember 2012
"Arbeit ist einer der besten Erzieher des Charakters." (Samuel Smiles)
Die Tage vergingen und nachdem wir eine Absage nach der anderen bekamen klingelte irgendwann überraschend das Handy von Chris. Gerade als der andere Bremerhavener Simon auch zu uns stieß und wir dazu noch eine weitere Hand voll Deutscher kennenlernten, mit denen wir den Abend mit Goon (siehe "Neuseeländische Spezialitäten") zelebrierten, bekamen wir einen Job auf einer Apfelplantage. Die Arbeit wird durch die enorme Hitze natürlich erschwert und nicht zu verachten ist auch die hier sehr dünne Ozonschicht. Die Bezahlung ist auch eher bescheiden und die Supervisor haben gerade etwas mehr Zähne als Gollum, aber wir dürfen arbeiten wann wir wollen, was uns sehr zusagt, denn wir arbeiten lieber etwas länger und dafür ein oder zwei Tage weniger, denn "müde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun" (Marie von Ebner-Eschenbach).
Nach diesem Motto arbeiteten wir uns also täglich den Arsch ab und übernachteten bei einer Hütte, für dessen Benutzung wir nichts zahlen mussten und das hatte auch seinen Grund, denn tatsächlich war sie von eher spartanischer Natur. Auch wenn wir einige Arbeiter auf der Plantage waren, übernachteten meistens nur wir und Neil, ein reisender Engländer, der noch so einige Zeit mit uns verbringen sollte.
Das positive: Es gab einen Ofen, manchmal einen funktionierenden Heerd, ein Waschbecken und Steckdosen.
Das negative: Die "Dusche" wird normalerweise zum befüllen von Maschinen benutzt, die Spülung der "Toilette" funktionierte nicht, es gab natürlich kein Internet und es wurde regelmäßig gesprayt, was ziemlich gestunken hat (was genau auf die Bäume gesprayt wurde und in wie fern es unserer Gesundheit hätte schaden können, wissen wir bis heute nicht) und tagsüber verschwinden des öfteren mal Sachen (z.B. unser wertvoller Gaskocher) durch die Anwesenheit einiger Maori auf der Plantage.
Wir kamen schnell in folgenden Rythmus: Morgens 4 Stunden arbeiten, Mittags ein paar Stunden Pause und Abends Arbeiten bis es dunkel wird. Mit dieser Strategie und guter Musik auf dem mp3 player lies es sich doch einige Tage aushalten und umso größer war die Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Schnell war klar, dass wir und Neil uns für das Fest zusammenschließen würden und so beendeten wir an Heilig Abend unsere letzte Reihe und machten uns auf den Weg in den 80 km entfernten Kaweka Forest.
Es folgt: Das etwas andere Weihnachtsfest
Mittwoch, 26. Dezember 2012
Hawkes Bay - part one
Gerade einen Tag nach Nikolaus konnte die Reise endlich weitergehen. Nachdem wir erst ostwärts an der Küste entlangfuhren nahmen wir Kurs auf den Urewera National Park, da wir sehr lange nicht mehr wandern waren und auf der Strecke nach Napier etwas Natur mitnehmen wollten.
Wir mussten in einem kleinen Ort über Nacht rasten, weil der Sprit nicht für den Weg über die Berge gereicht hätte. In der Morgendämmerung wurden wir von Erdbeben Sirenen geweckt, sodass wir sehr früh die Passstraße Richtung Südosten nehmen konnten. 3 Stunden Serpentinen, immer wieder Schotterpiste und Straße im Wechsel, sodass sogar mir als seetauglichen Halbfriesen etwas schlecht wurde. Wir hatten viel Zeit und so entschieden wir uns für einen 6 Stunden Wanderweg im Nationalpark. Er führte um einen oder zwei Berge herum, an einigen Bächen und Seen entlang. Am nächsten Morgen bestritten wir noch einen 2 Stunden Wanderweg durch eine Höhlenlandschaft, die tatsächlich einige Tunnel und gruselige Schächte hatte. Dann ging es nurnoch Richtung Osten, raus aus dem Gebirge an die Hawkes Bay. Angekommen in Napier verbrachten wir die ersten Tage mit intensiver Arbeitssuche, fanden jedoch nichts. Eines Morgens kam uns ein Hamburger entgegen, der wegen seines Jobs immer gratis Cupcakes dabei hatte und so lernten wir Jakob kennen. Wir verbrachten also wieder ein paar Tage mit Torge, der aus Wellington zu uns gestoßen ist und Jakob, bestiegen die Te Mata Peak und machten abends Lagerfeuer am Strand mit Würsten, die wir auf Stöckern über die Glut hielten.
Wir durften feststellen, wie schön wunderschön diese Hafenstadt ist mit ihren Gebäuden, die in den 30er Jahren nach einem Erdbeben im sogenannten Art Deco Stil wieder erbaut wurden und der mit Säulen gesäumten Marine Parade direkt am Ozean.
Das beste Erlebnis war jedoch "The Hobbit - an unexpected journey". Nachdem ich voller Vorfreude schon das Buch las und das deutsche Hörbuch zum Einschlafen benutzte, war ich total euphorisch endlich den Film zu sehen, der gerade vor einem Jahr dort gedreht wurde wo ich war und als Ich dann die ersten Szenen vor Bilbo's Haus sah, bekam ich sofort Gänsehaut.
Samstag, 8. Dezember 2012
Bay of Plenty - part two
Der Surfkurs ließ uns nun 12 Tage in Mt Maunganui warten, was mir etwas die Stimmung versaute. Nachdem wir nun sogar im Hostel heimlich übernachteten, dachten wir uns, dass wir genug Wärme vom metaphorischen Hostelvulkan erhielten und ihn nicht zum ausbrechen bringen sollten.
Eine alternative Küche baten uns öffentliche BBQ Herde, an beiden Strandseiten der Stadt befindlich. Zum Übernachten verhalf uns ein relativ abgelegener Sportplatz, nachdem McDonalds uns von ihrem Parkplatz verwies. Doch kurz bevor wir eines Nachts zur selben Stelle fuhren, überwältigte uns eine Plozeikontrolle, die Gott sei Dank nicht bemerkte, dass einer von uns hinten unter einer Matratze versteckt ohne Sitz mitfuhr. Auf jeden Fall schien uns dieser Schlafplatz nun ebenfalls zu gefährlich, weswegen wir nun einsame Siedlungsgassen bevorzugen.
Jedenfalls trieb es uns auf den Mount Maunganui selbst, der einen hervorragenden Ausblick bietet und in die Hot pools, eine Art Minitherme, am Fuße des Berges gelegen.
Aus reinem Glück ereignete sich außerdem eine Weihnachtsparade, als wir gerade an der Hauptstraße der Innenstadt waren: Weihnachtsmänner mit Sonnenbrillen, faschingsähnliche Züge (Fotos folgen), die Straße überfüllt, eine sehr sommerliche, doch auch weihnachtlich heimische Atmosphäre. Natürlich kann die neuseeländische Weihnachtsbeleuchtung mit der im Vaterland nicht mithalten, aber der Kunstschnee und die roten Herzen zwischen Palmen und Surfshops hat schon etwas.
Was wäre so eine neuseeländische Woche ohne einen Wasserfall... etwas außerhalb der Stadt liegen die McLaren Falls. Fantastische Felsen, von denen das Wasser in ein tiefes Becken herabfließt, an dem man von hohen Stellen ins Wasser springen kann. Auch eine höher gelgene Brücke verlockt zum herunterspringen, jedoch hielt mich das Schild mit der Aufschrift "People die jumping from this bridge, don't do it" davon ab. Umso größer die Verwunderung, als eine Gruppe herumbölkender trinkender Maori es trotzdem wagten und jeden Sprung mit einem tiefen, hohlen Schrei beendeten, den man noch meilenweit hören könnte.
Nachdem unsere Freunde aus Bremerhaven alle abgereist waren, vertrieben wir uns die Zeit mit Schwimmen, Karten schreiben, lesen UND jetzt kommts: warten.... bis es endlich soweit war!
Der Surfkurs konnte beginnen und der Surflehrer Andy hätte besser garnicht sein können, sodass wir direkt einen zweiten Kurs am Tag darauf buchten. Nun ging er nur mit mir und chris raus und so konnten wir anfangen RICHTIG zu surfen: Anstatt noch im flachen Wasser zu stehen und dort die brechenden Wellen abzuwarten, paddelten wir weiter heraus um "clean waves" zu catchen. Es erforderte viel mehr Anstrengung und Konzentration, als die erste Stunde und die Erfolgserlebnisse waren bescheidener, aber wir konnten so viel lernen. Das schwierigste ist eindeutig, die guten Wellen herauszusuchen und innerhalb weniger sekunden das Board in Position zu bekommen. Andy beschrieb es folgendermaßen:"Wellen sind wie Frauen, manchmal wollen sie einfach nicht geritten werden!"
Am Ende war kein Blut mehr in meinen Zähen, meine Hand war etwas rot, angeschwollen und brannte, was höchstwahrscheinlich auf eine Qualle zurückzuführen ist und das Salzwasser schien meinen ganzen Körper durchdrungen zu haben... es war der beste Tag seit Wochen!
Es folgt: Die Reise durch den Urewera National Park an die Hawkes Bay
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